Artikel vom 2. April 2026
Hardware Air Gap: Vergleich für IT-Entscheider
Bewertungskriterien für Hardware Air Gap Lösungen #
1. Automatisierung vs. Manuelle Lösung #
Manuelle Lösung (z. B. Tape, USB):
- Administrator steckt ein Tape ins Laufwerk
- Backup läuft zeitgesteuert
- Administrator trägt das Tape ins Lager
- Tape wird offline gelagert
Nachteile:
- Menschliches Fehlpotential (Tape vergessen, falsches Tape geladen)
- Langsame RTO (Tape muss erst vom Lager geholt werden)
- Hoher Administrationsaufwand
- RPO kann groß sein (wöchentlich oder täglich, nicht stündlich)
Vorteile:
- Einfache Technologie (weniger Software-Fehler)
- Hohe Langzeitarchivierung (30+ Jahre möglich)
- Niedrige Betriebskosten
Automatisierte Lösung (z. B. Silent Brick Max Air):
- Backup-Prozess läuft vollautomatisch
- Hardware trennt sich selbst physisch nach Backup
- Keine manuelle Intervention nötig
- RTO: Minuten bis Stunden (Daten sind lokal verfügbar)
Nachteile:
- Höhere initiale Investition
- Komplexere Infrastruktur
- Software-Update-Abhängigkeit
Vorteile:
- Hohe Zuverlässigkeit (weniger Fehler)
- Kleines RPO (stündliche Backups möglich)
- Schnelle RTO
- Skalierbar
2. RTO und RPO #
RTO (Recovery Time Objective): Wie lange darf die Ausfallzeit sein?
| Lösung | RTO | Begründung |
|---|---|---|
| **Tape (manuell)** | 4 – 24h | Tape muss vom Lager geholt, Restore dauert |
| **Silent Brick Max Air** | 0,5 – 2h | Daten sind verfügbar, Restore schnell |
| **Tape Nearline** | 1 – 8h | Tape im Roboter, aber Restore dauert |
RPO (Recovery Point Objective): Wie viel Datenverlust ist akzeptabel?
| Lösung | RPO | Begründung |
|---|---|---|
| **Tape (wöchentlich)** | 1 Woche | Tape wechsel selten, Datenverlust groß |
| **Tape (täglich)** | 1 Tag | Tape-Roboter, täglich wechsel |
| **Silent Brick Max Air** | 1 – 24h | Automatisiert, mehrmals täglich möglich |
Business-Logik: Kritische Systeme (Domäne, ERP) brauchen kleines RPO/RTO → automatisierte . Archiv-Daten können großes RPO haben → Tape.
3. Compliance-Eignung #
Die Behörden (BSI, Auditoren) bevorzugen:
- Hardware-: Unveränderlich auf Firmware-Ebene
- Offline-Speicherung: Physisch getrennt
- Audit-Trail: Zugriffe protokolliert
- Langzeitarchivierung: Daten bleiben leserlich
Tape: ✅ Gute Compliance (unveränderlich, offline) USB: ⚠️ Moderat (offline, aber keine Firmware-Sicherung) Silent Brick Max Air: ✅ Gute Compliance (Firmware-, offline, Audit)
4. Integration in bestehende Infrastruktur #
Tape-basiert:
- Funktioniert mit existierenden Backup-Tools (Veeam, Commvault, NetBackup)
- LTO-Standard seit 20+ Jahren
- Aber: Separate Hardware-Investition, separate Prozesse
Silent Brick Max Air:
- Integration über APIs oder SMB/NFS
- Plugin-Module für gängige Backup-Software
- Zentrale Verwaltung möglich
- Bessere Automatisierung
5. Kosten #
Tape Totale Kosten über 5 Jahre:
- Hardware (Tape-Laufwerk): 5.000 – 15.000 EUR
- Tapes (ca. 100 Stück): 10.000 – 20.000 EUR
- Lagerung: 500 – 2.500 EUR/Jahr
- Administrationsaufwand: 20.000 – 50.000 EUR (Personalkosten)
- Summe: 70.000 – 150.000 EUR
Silent Brick Max Air Totale Kosten über 5 Jahre:
- Hardware: 40.000 – 80.000 EUR (je nach Kapazität)
- Wartung/Support: 5.000 – 10.000 EUR/Jahr
- Administrationsaufwand: 5.000 – 10.000 EUR (gering)
- Summe: 100.000 – 150.000 EUR
Ergebnis: Vergleichbar, aber Tape hat höherer Administrationsaufwand. Silent Brick skaliert besser.
Manuelle vs. Automatisierte Lösung: Detaillierter Vergleich #
Tape (Manuell) #
Szenario: Tägliches Backup auf LTO-Tape, Tape wird ins Lager gebracht.
Workflow:
- Backup-Software starten (manuell oder zeitgesteuert)
- Daten auf Tape schreiben
- Tape aus Laufwerk nehmen (Administrator)
- Tape ins Lager transportieren (Administrator)
- Nach 1 Woche: Tape-Rotation, altes Tape kommt raus
Ransomware-Szenario:
- Ransomware löscht Backup-Serverdaten
- Alte Tape-Kopien im Lager sind unberührt
- Wiederherstellung: Tape holen, Restore starten (4 – 24h)
Probleme:
- Wenn Tape noch im Laufwerk ist und nicht weggebracht wurde: Ransomware kann es löschen (bis es offline ist)
- Menschliches Fehlerpotential: Falsches Tape geladen, Tape vergessen
- Lange RTO
Silent Brick Max Air (Automatisiert) #
Szenario: Tägliche Backups, automatische physische Trennung.
Workflow:
- Zeitplan: Backup um 22:00 Uhr
- Backup-Job startet automatisch
- Daten werden über verschlüsselte Verbindung geschrieben
- Nach Backup: Netzwerk-Interface wird physisch getrennt
- Geräte ist jetzt offline, nicht erreichbar
- Nächsten Tag: Neue Verbindung für neues Backup, ältere Kopien bleiben offline
Ransomware-Szenario:
- Ransomware dringt ein, hat Admin-Rechte
- Versucht Backup zu löschen: Kein Netzwerk-Interface, Zugriff unmöglich
- Wiederherstellung: Silent Brick ist online (neue Verbindung), Restore startet sofort (0,5 – 2h)
Vorteile:
- Automatisiert, keine menschliche Fehlerquelle
- Schnelle RTO
- Physische Isolation garantiert
Checkliste für die Evaluierung #
Schritt 1: Anforderungen definieren #
- [ ] Wie groß ist die Datenmenge? (TB/PB)
- [ ] Wie oft muss die Recovery Speed sein? (RTO in Stunden?)
- [ ] Wie häufig brauchen wir Wiederherstellungen? (täglich/wöchentlich/nie?)
- [ ] Wie lange müssen Daten archiviert werden? (7 Jahre? 30 Jahre?)
- [ ] Budget-Limits? (CAPEX/OPEX)
Schritt 2: Lösungen evaluieren #
Für jede Lösung (Tape, USB, Silent Brick, etc.):
- [ ] Passt die Datenmenge zur Kapazität?
- [ ] Erfüllt die RTO/RPO die Anforderungen?
- [ ] Ist die Integration mit bestehenden Tools möglich?
- [ ] Welche Compliance-Anforderungen verlangt unser Auditor?
- [ ] Welche gesamten Kosten (CAPEX + OPEX + Personal) für 5 Jahre?
Schritt 3: Recovery-Test #
- [ ] Einen kompletten Restore-Test durchführen (mit Zeitmessung)
- [ ] Alle kritischen Systeme testen (Domäne, ERP, Datenbank)
- [ ] Ransomware-Szenario simulieren ( offline, dann Recovery)
Schritt 4: Dokumentation #
- [ ] RTO/RPO dokumentieren
- [ ] Backup-Schedule dokumentieren
- [ ] Recovery-Prozedur dokumentieren
- [ ] Compliance-Mapping (welche Lösung erfüllt welche Anforderung)
Häufige Fragen #
Können wir Tape und Silent Brick kombinieren? Ja. Empfohlen: Silent Brick für schnelle Recovery (täglich), Tape für Langzeit-Archivierung (monatlich/jährlich). Bestes aus beiden Welten.
Wie häufig sollte ich einen Recovery-Test machen? Mindestens quartalweise für kritische Systeme. Jeder Test sollte ein vollständiger Restore sein, nicht nur ein Ordner-Restore.
Was ist, wenn Silent Brick Hardware ausfällt? Das ist selten, aber: Wählen Sie Hersteller mit RAID-Redundanz. Oder: Mehrere Silent Brick Geräte in unterschiedlichen Standorten. Redundanz erhöht Kosten, aber auch Sicherheit.
Passt Hardware zu unserem KMU? Ja. Für KMUs empfehle ich: Silent Brick mit automatisierten täglichen Backups. Besserer ROI als Tape (weniger Administrationsaufwand).
Air Gap
Ein Air Gap ist die physische Unterbrechung jeder Netzwerkverbindung zwischen einem Backup-System und der übrigen IT-Infrastruktur, sodass das System im Offline-Zustand keine adressierbare Netzwerkschnittstelle besitzt und damit für Ransomware und Angreifer unerreichbar ist.
WORM
WORM (Write Once, Read Many) bezeichnet ein Speicherprinzip, bei dem Daten einmal geschrieben und danach technisch nicht mehr verändert oder gelöscht werden können — bei Hardware-WORM ist diese Unveränderlichkeit eine physikalische Eigenschaft des Speicher-Controllers, unabhängig von Software, Betriebssystem oder Benutzerprivilegien.
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