Artikel vom 13. Januar 2026
Cloud vs. On-Premises Backup: Kostenvergleich über 5 Jahre
Was zählt zum TCO eines Backup-Systems? #
Total Cost of Ownership (TCO) erfasst alle Kosten über den gesamten Nutzungszeitraum, nicht nur die Listenpreise. Für Backup-Speicher sind das:
Cloud (laufende Kosten):
- Storage-Gebühren (pro GB/Monat)
- Egress-Kosten (Datenabruf / Restore)
- API-Kosten (PUT, GET, LIST)
- Support-Tier
- Verwaltungsaufwand (intern)
On-Premises (Investitions- und Betriebskosten):
- Anschaffung (Hardware, Lizenzen)
- Wartung und Support
- Strom und Kühlung
- Rack und Infrastruktur
- Personalaufwand (Administration)
Ausgangsbasis: Annahmen für die Modellrechnung #
Alle folgenden Zahlen sind eine Beispielrechnung auf Basis öffentlicher Listenpreise (Stand der Recherché) und typischer Projektwerte. Ihre tatsächlichen Kosten hängen von Region, Rabatten, Backup-Software und Nutzungsprofil ab. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Werten nach.
- Jährliches Datenwachstum: 20 % p.a.
- Restore-Tests: 2x pro Jahr, je 10 % des Gesamtvolumens
- Vollständiger Disaster-Recovery-Restore: 1x im 5‑Jahres-Zeitraum einkalkuliert
- Cloud-Anbieter: AWS S3 Glacier Instant Retrieval, Azure Archive Storage
- Strompreis: 0,25 EUR/kWh
- Personalkosten IT: 80 EUR/Stunde
- Währung: EUR (Umrechnung USD-Preise zum Kurs 0,92)
Szenario A: 50 TB Backup-Volumen #
Cloud-Kosten über 5 Jahre (50 TB Startvolumen) #
Datenwachstum: 50 TB auf 128 TB am Ende von Jahr 5; durchschnittliches Volumen über 5 Jahre: ca. 82 TB.
AWS S3 Glacier Instant Retrieval
- Speichergebühr: 0,004 USD/GB/Monat (ca. 0,0037 EUR)
- Abruf (Retrieval): 0,03 USD/GB
- Egress aus AWS: 0,09 USD/GB (erste 10 TB/Monat), danach gestaffelt günstiger
Azure Archive Storage
- Speichergebühr: ca. 0,0018 EUR/GB/Monat
- Abruf (Rehydration): Priority deutlich teurer als Standard (bis 15 Stunden Wartezeit)
- Egress: ca. 0,087 EUR/GB
Cloud-Gesamtkosten 5 Jahre (Modellrechnung):
- Storage (kumuliert, Wachstum eingerechnet): AWS ca. 18.300 EUR, Azure ca. 8.300 EUR
- Egress für Restore-Tests (2x/Jahr, 10 %): AWS ca. 6.600 EUR, Azure ca. 6.400 EUR
- Egress für 1x vollständigen -Restore (Jahr 3): AWS ca. 6.700 EUR, Azure ca. 6.500 EUR
- API-Kosten (PUT/GET/LIST): AWS ca. 900 EUR, Azure ca. 700 EUR
- Support (Business-Tier, gestaffelt nach Nutzung): AWS ca. 970 EUR, Azure ca. 660 EUR
- Interner Verwaltungsaufwand (4 h/Monat à 80 EUR): jeweils 19.200 EUR
- Gesamt 5 Jahre: AWS ca. 52.700 EUR, Azure ca. 41.800 EUR
On-Premises (Silent Brick System, 50 TB nutzbar):
- Anschaffung (Controller X + Silent Bricks, 80 TB Rohkapazität): ca. 22.500 EUR
- Wartung/Support (5 Jahre, inkl. Hardware-Austausch): ca. 6.500 EUR
- Strom + Kühlung (5 Jahre, ca. 200 W Durchschnitt): ca. 2.190 EUR
- Rack-Anteil (anteilig, 1 HE): ca. 500 EUR
- Interner Verwaltungsaufwand (2 h/Monat à 80 EUR): 9.600 EUR
- Gesamt 5 Jahre: ca. 40.800 EUR
Ergebnis Szenario A (50 TB): On-Premises ist in dieser Modellrechnung nach 5 Jahren rund ein Fünftel günstiger als AWS und liegt auf vergleichbarem Niveau mit Azure, vor allem wegen deutlich geringerem Verwaltungsaufwand und ohne Restore-Überraschungen.
Szenario B: 200 TB Backup-Volumen #
Datenwachstum: 200 TB auf 498 TB am Ende von Jahr 5; durchschnittliches Volumen über 5 Jahre: ca. 357 TB.
Cloud-Gesamtkosten 5 Jahre (Modellrechnung):
- Storage (kumuliert, Wachstum eingerechnet): AWS ca. 79.500 EUR, Azure ca. 36.100 EUR
- Egress für Restore-Tests (2x/Jahr, 10 %): AWS ca. 28.700 EUR, Azure ca. 27.800 EUR
- Egress für 1x vollständigen -Restore (Jahr 3): AWS ca. 27.600 EUR, Azure ca. 26.700 EUR
- API-Kosten (PUT/GET/LIST): AWS ca. 3.600 EUR, Azure ca. 2.900 EUR
- Support (Business-Tier, gestaffelt nach Nutzung): AWS ca. 4.190 EUR, Azure ca. 2.800 EUR
- Interner Verwaltungsaufwand (6 h/Monat à 80 EUR): jeweils 28.800 EUR
- Gesamt 5 Jahre: AWS ca. 172.400 EUR, Azure ca. 125.100 EUR
On-Premises (Silent Brick System, 200 TB nutzbar):
- Anschaffung (Controller X + Silent Bricks, 300 TB Rohkapazität): ca. 58.000 EUR
- Wartung/Support (5 Jahre): ca. 14.500 EUR
- Strom + Kühlung (5 Jahre, ca. 500 W Durchschnitt): ca. 5.475 EUR
- Rack-Anteil (anteilig, 3 HE): ca. 1.500 EUR
- Interner Verwaltungsaufwand (3 h/Monat à 80 EUR): 14.400 EUR
- Gesamt 5 Jahre: ca. 93.900 EUR
Ergebnis Szenario B (200 TB): On-Premises ist in dieser Modellrechnung nach 5 Jahren ca. 45 % günstiger als AWS und ca. 25 % günstiger als Azure. Der Abstand wächst mit dem Datenvolumen.
Break-Even-Analyse: Ab wann rechnet sich On-Premises? #
Der Break-Even-Punkt beschreibt den Zeitpunkt, ab dem die Gesamtkosten der On-Premises-Lösung unter denen der Cloud-Lösung liegen.
- 50 TB: Break-Even gegenüber AWS ca. Monat 30 (2,5 Jahre), gegenüber Azure ca. Monat 38 (3,2 Jahre)
- 200 TB: Break-Even gegenüber AWS ca. Monat 22 (1,8 Jahre), gegenüber Azure ca. Monat 28 (2,3 Jahre)
Ab einem Backup-Volumen von 50 TB und einer Nutzungsdauer von mehr als 3 Jahren rechnet sich On-Premises in dieser Modellrechnung in nahezu allen Szenarien. Bei 200 TB liegt der Break-Even bereits unter 2 Jahren.
Versteckte Kosten: Was in Cloud-Angeboten fehlt #
Egress bei Recovery #
Der größte Kostentreiber, der in Cloud-Angeboten selten thematisiert wird: Datenabruf kostet extra. Bei AWS S3 Glacier Instant Retrieval zahlen Sie 0,03 USD/GB Retrieval-Gebühr plus rund 0,09 USD/GB Egress. Ein vollständiger Restore von 100 TB kostet damit allein an Datenübertragung über 11.000 EUR, bevor eine einzige Stunde IT-Personal abgerechnet wird.
Wichtig zur Einordnung: Der EU Data Act (anwendbar seit 12. September 2025) reduziert Wechselentgelte beim Anbieterwechsel auf die reinen Kosten und verbietet sie ab dem 12. Januar 2027 komplett. Das gilt aber nur für den Wechsel oder Exit. Regulärer operativer Egress, also jeder Restore und jeder Restore-Test im laufenden Betrieb, bleibt kostenpflichtig.
Restore-Tests #
Wer seinen Disaster-Recovery-Plan ernst nimmt, testet regelmäßig. Jeder Test ist ein partieller Restore. Bei Cloud-Backup bedeutet das: Egress-Gebühren zweimal im Jahr. Bei On-Premises: keine Zusatzkosten.
Datenwachstum bricht die Kalkulation #
Cloud-Angebote werden pro GB berechnet. Wächst Ihr Backup-Volumen jährlich um 20 %, verdoppelt sich das Volumen in 3,8 Jahren. Die Cloud-Rechnung steigt proportional. Eine On-Premises-Lösung mit ausreichend dimensionierter Kapazität bleibt in diesem Zeitraum bei konstanten Betriebskosten.
Retention und Versionierung #
Compliance erfordert oft mehrjährige Aufbewahrung. Cloud-Anbieter berechnen jede Version, jeden Snapshot und jedes Retention-Lock als zusätzlich belegten Speicher. Bei On-Premises legen Sie die Retention-Policies selbst fest, ohne Zusatzkosten pro Retention-Klasse.
Wann ist Cloud-Backup sinnvoll? #
Cloud-Backup hat seinen Platz in einer hybriden Strategie, als Ergänzung zu On-Premises:
- Sehr kleine Datenmengen (unter 5 TB) ohne regelmäßige Restore-Tests
- Geografische Redundanz als ergänzende Kopie (nicht als primäres Backup)
- Kurzfristige Projekte mit befristeter Laufzeit unter 12 Monaten
- Unternehmen ohne eigene Infrastruktur (kein Rack, kein Rechenzentrum)
In allen anderen Fällen, insbesondere ab 50 TB und einer Nutzungsdauer von mehr als 2 Jahren, überwiegen die Vorteile von On-Premises: kalkulierbare Kosten, volle Datenkontrolle und keine Abhängigkeit von Egress-Preismodellen.
Fazit: Kalkulieren Sie vor der Entscheidung #
Die Cloud wirkt günstig, weil die Einstiegskosten niedrig sind. Die Gesamtrechnung über 5 Jahre zeigt ein anderes Bild, besonders dann, wenn Egress, Datenwachstum und Restore-Szenarien vollständig einkalkuliert werden.
Wer mehr als 50 TB Backup-Volumen verwaltet und eine Nutzungsdauer von 3 Jahren plant, zahlt mit On-Premises-Lösungen wie dem Silent Brick System in der Regel weniger und behält die volle Kontrolle über seine Daten.
Hinweis zum AWS Business Support: gestaffeltes Preismodell, ab 10 % der monatlichen Nutzungskosten (mindestens 100 USD/Monat) bis 3 % bei sehr hohen Monatsumsätzen. Die ausgewiesenen Support-Schätzungen weichen je nach tatsächlichem Nutzungsprofil ab.
Weiterführende Ressourcen #
→ TCO-Falle Cloud-Backup: Wenn die Kosten explodieren (/de/blog/tco-falle-cloud-backup/) → Egress-Kosten Cloud: Was Datentransfer wirklich kostet (/de/blog/egress-kosten-cloud/) → 3 – 2‑1 – 1‑0-Backup-Strategie: Der aktuelle Standard (/de/blog/3 – 2‑1 – 1‑0-backup-strategie/) → Silent Brick System (/de/produkte/silent-brick-system/) → Silent Cubes (/de/produkte/silent-cubes/)
Disaster Recovery
Disaster Recovery bezeichnet die strukturierten Prozesse und technischen Maßnahmen, die sicherstellen, dass IT-Systeme nach einem schwerwiegenden Ausfall — Ransomware-Angriff, Hardwareversagen, Rechenzentrumsausfall — innerhalb definierter Zeitrahmen (RTO) mit maximalem Datenverlust (RPO) wiederhergestellt werden können.
Disaster Recovery
Disaster Recovery bezeichnet die strukturierten Prozesse und technischen Maßnahmen, die sicherstellen, dass IT-Systeme nach einem schwerwiegenden Ausfall — Ransomware-Angriff, Hardwareversagen, Rechenzentrumsausfall — innerhalb definierter Zeitrahmen (RTO) mit maximalem Datenverlust (RPO) wiederhergestellt werden können.