Fachartikel vom 28. Juli 2026
Die Phase der Cloud-first-KI ist vorbei
79 Prozent der Unternehmen haben KI-Workloads aus der Public Cloud zurückgeholt. In Europa gibt die Rechtslage den Ausschlag.
79 Prozent der Unternehmen haben KI-Workloads aus der Public Cloud auf eigene Infrastruktur zurückgeholt. Der stärkste Treiber ist . Für deutsche Unternehmen kommt eine Rechtslage dazu, die sich in diesem Sommer noch einmal verschoben hat.
Lesezeit: ca. 4 Minuten | Zuletzt aktualisiert: August 2026
Datensouveränität
Datensouveränität beschreibt die vollständige Kontrolle einer Organisation über ihre Daten: wo sie gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann, welchem Rechtsrahmen sie unterliegen und ob sie jederzeit ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter verfügbar sind.
79 Prozent haben bereits verlagert
Laut der Enterprise AI Infrastructure Survey 2026 haben 79 Prozent der befragten Unternehmen KI-Workloads von der Public Cloud auf eigene Infrastruktur verlagert. Nimmt man jene hinzu, die diesen Schritt gerade vollziehen oder planen, liegt der Wert bei 93 Prozent. Befragt wurden im Februar 2026 über die Rechercheplattform Centiment 203 Entscheider mit Budgetverantwortung für KI, zwei Drittel davon mit KI-Anwendungen im Produktivbetrieb. Auftraggeber der Studie ist der US-Speicherhersteller Cloudian, der selbst On-Premises-Speicher verkauft.
Die Studie ist eine Momentaufnahme und misst kein Tempo. Sie erlaubt auch keine Aussage über einzelne Länder, weil ihr der regionale Zuschnitt fehlt. Über die Richtung der Bewegung sagt sie trotzdem genug. Von den drei Gründen, die sie nennt, steht an erster Stelle; die beiden anderen sind unvorhersehbare Kosten und Anforderungen an die Echtzeit-Performance. 91 Prozent der Befragten würden bei sensiblen Unternehmensdaten On-Premises, Private Cloud oder Hybrid der Public Cloud vorziehen.
Die nützlichsten Daten sind die sensibelsten
Wer KI mit eigenen Unternehmensdaten betreibt, stellt das früh fest. Verträge, Patientendaten, Konstruktionszeichnungen, interne Kommunikation. Genau dieser Datenbestand landete bisher oft auf Servern amerikanischer Hyperscaler, mit unvorhersehbaren Nutzungskosten und ohne verlässliche Aussage über Latenz.
Die Studie beziffert, was das praktisch kostet: 58 Prozent der Befragten geben an, dass Bedenken zum Datenstandort KI-Vorhaben bereits verzögert oder zurückgestutzt haben. 74 Prozent halten Shadow AI für ein ernstes Sicherheitsproblem, also die Nutzung von Cloud-KI-Werkzeugen durch Mitarbeiter an der IT vorbei.
In Europa kommt die Rechtslage dazu
Für deutsche und europäische Unternehmen wirkt ein Faktor, den die Studie nicht erfasst. Die Rechtslage trifft dabei nicht alle Cloud-Konstellationen gleich, und die einzelnen Regelwerke greifen an unterschiedlichen Stellen.
Am härtesten wirkt die . Wer personenbezogene Daten an einen US-Anbieter gibt, bewegt sich in Kapitel V (Art. 44 ff.) und muss den Transfer rechtfertigen. Hinzu kommt der (18 U.S.C. § 2713) zusammen mit FISA 702: US-Behörden können Daten bei US-Unternehmen weltweit anfordern, unabhängig vom Serverstandort. Ein europäisches Rechenzentrum eines US-Konzerns löst das nicht.
Das BSI-Gesetz, mit dem Deutschland
Beim
Dazu kommen branchenspezifische Vorgaben.
Ein Pharmaunternehmen, das Forschungsdaten per RAG zugänglich macht, kann das nicht über einen US-amerikanischen LLM-Dienst tun, ohne sich juristisch zu exponieren. Ein Krankenhaus, das Patientenakten für KI-gestützte Diagnostik nutzt, erst recht nicht. In diesen Kontexten ist On-Premises die Voraussetzung dafür, dass das Projekt überhaupt genehmigungsfähig wird.
Lokale KI stellt eigene Anforderungen an den Speicher
Wer seinen KI-Speicher ohne Trennung und ohne Schutz vor Manipulation am selben Netz betreibt wie seine übrige Unternehmens-IT, schafft neue Angriffsflächen. Ein RAG-Index bündelt Wissen aus vielen Quellen an einer Stelle und ist damit ein attraktiveres Ziel als jede einzelne Quelle. Die Antwort liegt in der Architektur. Der Speicher unter der lokalen KI muss den Datenbestand isolieren und unveränderlich halten.
So arbeitet Silent AI
FAST LTA hat mit Silent AI eine lokale
Silent AI basiert auf einer
Die Rechte kommen aus dem bestehenden Identity Provider – LDAP/AD, Entra ID, Okta, OIDC/SSO oder hybride Umgebungen – und werden mit dem jeweiligen Quellsystem automatisch synchronisiert. Das unterscheidet Silent AI von Microsoft Copilot, der Berechtigungsstrukturen weitgehend ignoriert und Mitarbeitern damit Inhalte zugänglich machen kann, für die sie kein Leserecht haben. Konnektoren gibt es unter anderem für Microsoft 365, SharePoint, Exchange, Confluence, Nextcloud, Fileserver, SQL-Datenbanken und Webseiten, insgesamt mehr als 15.
Fertige Einstiegsszenarien gibt es für sechs Anwendungsbereiche: Forschung und Entwicklung, Service und Support, Vertrags- und Rechtsrecherche, Compliance und Revision, Behörden und Verwaltung sowie Unternehmenswissen.
Silent AI ersetzt Cloud-KI nicht vollständig. Für Übersetzungen, allgemeine Zusammenfassungen oder Bild- und Audioaufgaben auf unkritischen Daten liefern die großen Cloud-Modelle in der Regel bessere Ergebnisse. Die Grenze verläuft bei der Vertraulichkeit der Daten: Was unter Geheimnisschutz oder
86 Prozent planen mit höheren KI-Budgets
86 Prozent der Befragten erwarten für 2026 steigende KI-Budgets, 40 Prozent rechnen mit einem Plus von 25 Prozent oder mehr. 73 Prozent wollen in den kommenden zwei Jahren weiter in Richtung On-Premises oder Hybrid verschieben.
Wer dieses Budget in eigene Infrastruktur investiert, sollte prüfen, ob die KI-Lösung von Anfang an für den lokalen Betrieb entworfen wurde oder ob der lokale Modus später an ein Cloud-Produkt angebaut wurde. Der Unterschied zeigt sich selten im Datenblatt und fast immer beim Rechtemanagement.
Unternehmensdaten gehören ins Unternehmen. Für die KI, die auf diesen Daten arbeitet, gilt dasselbe.
Datensouveränität
Datensouveränität beschreibt die vollständige Kontrolle einer Organisation über ihre Daten: wo sie gespeichert werden, wer darauf zugreifen kann, welchem Rechtsrahmen sie unterliegen und ob sie jederzeit ohne Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter verfügbar sind.
US CLOUD Act
Der US CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, 2018) ermächtigt US-Behörden, von US-Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen — unabhängig davon, wo diese Daten physisch gespeichert sind, auch wenn die Server in der EU stehen.
US CLOUD Act
Der US CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act, 2018) ermächtigt US-Behörden, von US-Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen — unabhängig davon, wo diese Daten physisch gespeichert sind, auch wenn die Server in der EU stehen.
DSGVO
Die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung, EU 2016/679) ist die europäische Regulierung zum Schutz personenbezogener Daten — für IT-Infrastruktur besonders relevant in Art. 5 (Grundsätze), Art. 17 (Recht auf Löschung), Art. 28 (Auftragsverarbeiter) und Art. 32 (Sicherheit der Verarbeitung).
NIS2
Die NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555) ist eine EU-Regulierung, die wesentliche und wichtige Einrichtungen zu konkreten Cybersicherheitsmaßnahmen verpflichtet — darunter nachweisbares Backup-Management, Krisenmanagement und Meldepflichten — mit persönlicher Haftung der Geschäftsleitung bei Versäumnissen.
EU AI Act
Der EU AI Act ist die weltweit erste umfassende gesetzliche Regulierung von KI-Systemen, in Kraft seit August 2024. Er klassifiziert KI-Anwendungen nach Risikoklassen und stellt an Hochrisiko-Systeme konkrete Anforderungen an Transparenz, Kontrolle, Datenschutz und menschliche Aufsicht.
DORA
DORA (Digital Operational Resilience Act, EU 2022/2554) ist eine EU-Verordnung, die seit Januar 2025 für alle regulierten Finanzmarktteilnehmer gilt und konkrete Anforderungen an IKT-Risikomanagement, Backup-Systeme (Art. 11 und 12), Drittanbieter-Management (Art. 28–30) sowie Incident-Meldung stellt.
NIS2
Die NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555) ist eine EU-Regulierung, die wesentliche und wichtige Einrichtungen zu konkreten Cybersicherheitsmaßnahmen verpflichtet — darunter nachweisbares Backup-Management, Krisenmanagement und Meldepflichten — mit persönlicher Haftung der Geschäftsleitung bei Versäumnissen.
RAG (Retrieval-Augmented Generation)
RAG ist eine KI-Architektur, bei der ein Sprachmodell nicht aus dem Gedächtnis antwortet, sondern Antworten aus einem definierten, kontrollierten Datenbestand abruft und auf dieser Basis generiert — wodurch Halluzinationen strukturell vermieden werden.
On-Premises KI
On-Premises KI bezeichnet KI-Systeme, die vollständig auf eigener Hardware im eigenen Rechenzentrum oder Serverraum betrieben werden — ohne Cloud-Anbindung, ohne Datentransfer an externe Dienste.
KI-Appliance
Eine KI-Appliance ist eine dedizierte Hardware-Einheit, in der KI-Modell, Recheninfrastruktur (GPU), Datenspeicher und Software-Stack zu einem betriebsbereiten System zusammengefasst sind — als Alternative zum selbst aufgebauten KI-Server oder zur Cloud-KI.
RAG (Retrieval-Augmented Generation)
RAG ist eine KI-Architektur, bei der ein Sprachmodell nicht aus dem Gedächtnis antwortet, sondern Antworten aus einem definierten, kontrollierten Datenbestand abruft und auf dieser Basis generiert — wodurch Halluzinationen strukturell vermieden werden.
LLM (Large Language Model)
Ein LLM ist ein KI-Modell, das auf großen Textmengen trainiert wurde und natürlichsprachige Anfragen versteht und beantwortet — Grundlage aller modernen KI-Assistenten, von ChatGPT bis zu lokal betriebenen Open-Source-Modellen.
DSGVO
Die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung, EU 2016/679) ist die europäische Regulierung zum Schutz personenbezogener Daten — für IT-Infrastruktur besonders relevant in Art. 5 (Grundsätze), Art. 17 (Recht auf Löschung), Art. 28 (Auftragsverarbeiter) und Art. 32 (Sicherheit der Verarbeitung).


