Was ist KRI­TIS? #

KRI­TIS = Kri­ti­sche Infrastruktur

Das sind Sys­te­me, deren Aus­fall oder Beein­träch­ti­gung ernst­haf­te Aus­wir­kun­gen auf die Ver­sor­gung der All­ge­mein­heit hat:

Tra­di­tio­nel­le Sektoren:

  • Ener­gie (Strom, Gas, Heizung)
  • Wasser/​Abwasser
  • Nahrungsmittel/​Landwirtschaft
  • Gesund­heits­we­sen
  • Transport/​Verkehr
  • Finanz­we­sen
  • Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on

Neue Sek­to­ren (KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz):

  • Digi­ta­le Infra­struk­tur (Cloud, DNS, CDN)
  • Kri­ti­sche Fertigungsunternehmen
  • Che­mi­sche und bio­lo­gi­sche Industrie
  • Raum­fahrt und Satellitenverkehr

KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz vs. NIS2UmsuCG: Unter­schie­de #

AspektNIS2UmsuCGKRI­­TIS-Dach­­ge­­setz
**Fokus**IT-Sicher­heitPhy­si­sche + IT-Resilienz
**Gel­tung**Wirt­schaft + (Tei­le der) öffent­li­che HandKRI­­TIS-Betrei­­ber (nur Bun­des­ebe­ne teils)
**Schwel­len­wer­te**50+ MA, 10+ Mio. EUR UmsatzSek­­tor-spe­­zi­­fisch (oft größer)
**Back­up-Anfor­­de­run­­gen**Off­­li­ne-Back­upsOff­­li­ne-Back­ups + phy­si­sche Redundanz
**Audit**Intern/​externBSI-Audit (oft verpflichtend)
**Mel­de­pflicht**72h an BSI72h an BSI + Betrei­ber benachrichtigen
**Sank­tio­nen**Buß­gel­der bis 10 Mio. EURBuß­gel­der bis 100 Mio. EUR (!)

Die Buß­gel­der sind dras­tisch höher im KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz. Das zeigt die Prio­ri­tät der Bundesregierung.


Neue Anfor­de­run­gen des KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz #

1. Phy­si­sche Resi­li­enz #

Das KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz ver­langt nicht nur IT-Sicher­heit, son­dern auch phy­si­sche Robust­heit:

  • Red­un­dan­te Infra­struk­tur: Sys­te­me soll­ten aus­fall­si­cher sein (z. B. meh­re­re Stromversorgungswege)
  • Dezen­tra­li­sie­rung: Kri­ti­sche Funk­tio­nen soll­ten nicht an einem Ort kon­zen­triert sein
  • Not­fall­ver­sor­gung: Back­up-Sys­­te­­me für Strom­aus­fall, Hoch­was­ser, etc.

Bei­spiel: Ein Was­ser­werk muss nicht nur vor Cyber­at­ta­cken geschützt sein, son­dern auch phy­sisch resi­li­ent gegen Hoch­was­ser und ande­re Naturkatastrophen.

2. Hybrid-Betrieb (IT + Phy­sik) #

KRI­­TIS-Sys­­te­­me sind oft Hybrid-Sys­­te­­me (Ope­ra­tio­nal Tech­no­lo­gy OT + IT):

  • OT (Ope­ra­tio­nal Tech­no­lo­gy): Phy­si­sche Steue­rung (z. B. Motor­steue­rung, Ventile)
  • IT (Infor­ma­ti­on Tech­no­lo­gy): Digi­ta­le Steue­rung, Datenverarbeitung

Das KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz ver­langt, dass bei­de Ebe­nen geschützt sind. Ein Cyber­at­tack auf die IT-Steu­e­rung kann phy­si­sche Aus­wir­kun­gen haben (z. B. Stromausfall).

3. Sup­p­ly Chain Secu­ri­ty #

KRI­­TIS-Betrei­­ber müs­sen sicher­stel­len, dass auch ihre Lie­fe­ran­ten und Ver­trags­part­ner sicher sind:

  • Ver­trä­ge müs­sen IT-Sicher­heits-Klau­­seln enthalten
  • Sup­pli­er müs­sen audi­tiert werden
  • Kri­ti­sche Kom­po­nen­ten müs­sen von ver­trau­ens­wür­di­gen Lie­fe­ran­ten stammen

4. Natio­na­le Cyber­si­cher­heits­stra­te­gie #

KRI­­TIS-Betrei­­ber sol­len sich an die natio­na­le Cyber­si­cher­heits­stra­te­gie hal­ten. Das bedeutet:

  • Zusam­men­ar­beit mit BSI (Infor­ma­tio­nen teilen)
  • Not­fall­übun­gen (Cyber-Drills)
  • Fähig­keit zur schnel­len Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Behörden

5. Erwei­ter­te Audit-Pflich­­ten #

KRI­­TIS-Betrei­­ber müs­sen sich regel­mä­ßig von BSI-zuge­las­­se­­nen Audi­to­ren über­prü­fen lassen:

  • Audit-Fre­­quenz: alle 2 Jah­re (teil­wei­se jährlich)
  • Kos­ten: oft 50.000 – 200.000 EUR pro Audit
  • Ergeb­nis: öffent­lich an BSI gemel­det (anony­mi­siert)

Prak­ti­sche Kon­se­quen­zen für Betrei­ber #

Für Ener­gie­ver­sor­ger #

Neue Anfor­de­run­gen:

  • Off­­li­ne-Back­ups für SCA­­DA-Sys­­te­­me (Strom­­netz-Steu­e­rung)
  • Phy­si­sche Iso­la­ti­on von kri­ti­schen Steu­er­zen­tren (fara­day cage, phy­si­sche Sicherheit)
  • Alter­na­ti­ve Strom­ver­sor­gung für Back­up-Sys­­te­­me (USV, Die­sel-Gene­ra­tor)
  • Wie­­der­her­s­tel­­lungs-Tests 1x/​Jahr (mit Zeitmessung)

Bei­­spiel-Sze­na­rio: Ein Strom­aus­fall­s­ce­na­rio muss voll­stän­dig durch­spielt wer­den — inklu­si­ve, wie lan­ge es dau­ert, manu­ell den Betrieb wiederherzustellen.

Für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on #

Neue Anfor­de­run­gen:

  • Red­un­dan­te Netzwerk-Verbindungen
  • Dezen­tra­li­sier­te DNS-Auf­­­lö­­sung (nicht nur ein Datencenter)
  • Off­­li­ne-Daten für kri­ti­sche Dienste
  • Not­funk (GSM-Back­­bo­ne muss auch ohne zen­tra­le IT funktionieren)

Für Was­ser­wirt­schaft #

Neue Anfor­de­run­gen:

  • Siche­re SCA­­DA-Sys­­te­­me gegen
  • Manu­el­le Schließ-Ven­­ti­­le (falls digi­ta­le Steue­rung ausfällt)
  • Was­­ser-Lager­­ka­­pa­­zi­­tät (für mehr­tä­gi­gen Betrieb ohne Digitalisierung)
  • Off­­li­ne-Back­up der Behandlungs-Rezepturen

Mel­de­pflich­ten und Behör­­den-Zusam­­men­ar­­beit #

Ver­pflich­te­te Mel­dun­gen an BSI #

72h‑Mel­dung bei Sicherheitsverstößen:

  • Cyber­at­ta­cke auf -Infrastruktur
  • Phy­si­scher Ein­bruch in Rechenzentrum
  • Per­so­nal­aus­fall von Schlüsselperson

Par­al­­lel-Mel­­dung an Betreiber:

  • Ener­gie: Bun­des­netz­agen­tur (BNetzA)
  • Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on: Bundesnetzagentur
  • Was­ser: Landesbehörde
  • Etc.

BSI-Koope­ra­­ti­on #

KRI­­TIS-Betrei­­ber sollten:

  • Regel­mä­ßig mit BSI kommunizieren
  • Infor­ma­ti­on über Bedro­hun­gen austauschen
  • Cyber-Drills mit­ein­an­der durchführen
  • Infor­ma­tio­nen über Angrei­fer tei­len (um gegen­sei­tig gewarnt zu sein)

Finan­zi­el­le Aus­wir­kun­gen #

Imple­­men­­tie­rungs-Kos­­ten #

Für einen mit­tel­gro­ßen KRI­­TIS-Betrei­­ber (z. B. regio­na­les Stromversorgungsunternehmen):

Maß­nah­meKos­ten
**Hard­ware Air Gap Backup**60.000 – 150.000 EUR
**Phy­si­sche Sicher­heit (Sicher­heits­tü­ren, Kame­ras, etc.)**50.000 – 200.000 EUR
**Net­z­­werk-Red­un­­danz (Lei­tung, Switch, Router)**100.000 – 500.000 EUR
**Cyber­­si­cher­heits-Schu­­lung (Mit­ar­bei­ter)**10.000 – 30.000 EUR
**BSI-Audit (jähr­lich)**50.000 – 150.000 EUR
**Not­­fall-Übun­­gen**20.000 – 50.000 EUR/​Jahr
**Doku­men­ta­ti­on und Consulting**30.000 – 80.000 EUR
**TOTAL über 3 Jahre****500.000 – 1.500.000 EUR**

Das ist nicht tri­vi­al, aber nichts gegen den Scha­den eines Strom­aus­falls (100+ Mil­lio­nen EUR pro Tag).


Ver­bin­dung zwi­schen NIS2 und KRI­TIS #

Für vie­le Betrei­ber gel­ten bei­de Regel­wer­ke:

Bei­spiel: Energieversorger

  • NIS2UmsuCG: Weil > 50 MA und > 10 Mio. EUR Umsatz → ​“wesent­li­che Einrichtung”
  • KRI­­TIS-Dach­­ge­­setz: Weil Ener­gie­ver­sor­gung = kri­ti­sche Infrastruktur

Prak­tisch bedeu­tet das:

  • Sie müs­sen BEI­DE Com­­pli­­an­ce-Anfor­­de­run­­gen erfüllen
  • Die meis­ten Maß­nah­men über­lap­pen (Back­ups, Audit, Meldepflichten)
  • Aber KRI­TIS ist stren­ger (höhe­re Buß­gel­der, Audit-Häufigkeit)

Häu­fi­ge Fra­gen #

Bin ich betrof­fen, wenn ich Zulie­fe­rer eines KRI­­TIS-Betrei­­bers bin? Mög­lich. Wenn Sie kri­ti­sche Kom­po­nen­ten lie­fern, kön­nen Sie regu­liert wer­den. Aber meist trifft es nur direk­te Betreiber.

Wie oft muss ich Audit durch­füh­ren? Abhän­gig vom Sek­tor und Kri­ti­k­ali­tät: alle 2 Jah­re (Stan­dard) oder jähr­lich (bei kri­ti­schen Funktionen).

Kön­nen wir Cloud-Back­ups für KRI­TIS nut­zen? Nicht allein. Die Cloud muss als sekun­dä­re Siche­rungs­ebe­ne ange­se­hen wer­den. Der pri­mä­re Schutz muss off­line und phy­sisch iso­liert sein (Hard­ware Air Gap).

Was ist, wenn wir nicht kon­form sind? Buß­gel­der bis 100 Mil­lio­nen EUR. Per­sön­li­che Haf­tung der Geschäfts­füh­rung ist auch mög­lich. Behör­den kön­nen kri­ti­sche Sys­te­me stilllegen.


Disclaimer

Dieser Beitrag wurde redaktionell erstellt und mit KI-Unterstützung aufbereitet. Er gibt einen allgemeinen Überblick und stellt keine Rechtsberatung dar – für Ihre konkrete Situation empfehlen wir professionellen Rat.