Die 7 häu­figs­ten TCO-Fal­­len bei Cloud-Back­up #

Fal­le 1: Egress-Kos­­ten bei Reco­very #

Cloud-Anbie­­ter berech­nen Daten­trans­fer aus ihrem Netz­werk her­aus (Egress). Was beim Upload kos­ten­los ist, kos­tet beim Down­load bares Geld. Typi­sche Inter­­net-Egress-Lis­­ten­­prei­­se lie­gen je nach Anbie­ter und Staf­fel grob zwi­schen 0,05 und 0,09 USD pro GB.

Typi­sche Egress-Lis­­ten­­prei­­se (Grö­ßen­ord­nung):

  • AWS: rund 0,09 USD/GB für die ers­ten 10 TB/​Monat, danach gestaf­felt günstiger
  • Azu­re: klei­ne Frei­kon­tin­gen­te, danach in ver­gleich­ba­rer Größenordnung
  • Goog­le Cloud: rund 0,08 USD/GB in den ers­ten Staffeln

Rechen­bei­spiel: Ein Unter­neh­men mit 80 TB Back­up-Volu­­men muss nach einem Ran­­som­­wa­­re-Angriff voll­stän­dig aus AWS S3 Gla­cier wie­der­her­stel­len. Egress-Kos­­ten: 80.000 GB × 0,085 USD = 6.800 USD, allein für den Daten­trans­fer, bevor ein ein­zi­ger IT-Mit­ar­­bei­­ter eine Stun­de gear­bei­tet hat.

Ein­ord­nung EU Data Act: Der EU Data Act (anwend­bar seit 12. Sep­tem­ber 2025) redu­ziert Wech­sel­ent­gel­te beim Anbie­ter­wech­sel auf die rei­nen Kos­ten und ver­bie­tet sie ab dem 12. Janu­ar 2027 voll­stän­dig. AWS, Goog­le und Micro­soft haben Exit-Egress-Gebüh­­ren beim kom­plet­ten Anbie­ter­wech­sel bereits 2024 erlas­sen, jeweils unter Bedin­gun­gen. Ope­ra­ti­ver Egress im lau­fen­den Betrieb, also jeder Res­to­re und jeder Res­­to­­re-Test, bleibt davon unbe­rührt und kostenpflichtig.


Fal­le 2: Res­­to­­re-Tests kos­ten Geld #

Ein Back­up, das nicht getes­tet wird, ist kein Back­up. BSI und ISO 27001 emp­feh­len regel­mä­ßi­ge Res­­to­­re-Tests. Bei Cloud-Back­up bedeu­tet jeder Test einen par­ti­el­len Egress.

Rechen­bei­spiel: 2 Res­­to­­re-Tests pro Jahr, je 10 % des Back­up-Volu­­mens (= 8 TB bei 80 TB Gesamt):

  • 2 × 8.000 GB × 0,085 USD Egress = 1.360 USD/​Jahr
  • Über 5 Jah­re: 6.800 USD nur für Routine-Tests

On-Pre­­mi­­ses: Res­­to­­re-Tests ver­ur­sa­chen kei­ne Zusatzkosten.


Fal­le 3: Daten­wachs­tum bricht die Kal­ku­la­ti­on #

Cloud-Ange­­bo­­te wer­den auf Basis des aktu­el­len Volu­mens ver­han­delt. Wächst Ihr Daten­vo­lu­men, und das tut es, steigt die Rech­nung pro­por­tio­nal. Der ​„Pay-as-you-grow”-Ansatz klingt fle­xi­bel, bis Sie sich aus­rech­nen, was 20 % jähr­li­ches Wachs­tum über 5 Jah­re bedeutet.

Bei­spiel­rech­nung: 50 TB Start­vo­lu­men, 20 % Wachs­tum p.a. (Lis­­ten­­preis-Modell, AWS Gla­cier Instant)

  • Jahr 1: 50 TB, ca. 184 EUR/​Monat
  • Jahr 2: 60 TB, ca. 221 EUR/​Monat
  • Jahr 3: 72 TB, ca. 265 EUR/​Monat
  • Jahr 4: 86 TB, ca. 318 EUR/​Monat
  • Jahr 5: 104 TB, ca. 383 EUR/​Monat

Nach 5 Jah­ren zah­len Sie mehr als dop­pelt so viel wie am Anfang, für das glei­che Sys­tem, die glei­che Soft­ware, die glei­che SLA. On-Pre­­mi­­ses-Har­d­­wa­re amor­ti­siert sich dage­gen über die Laufzeit.


Fal­le 4: API-Kos­­ten häu­fen sich unbe­merkt #

Back­up-Sof­t­­wa­re führt regel­mä­ßig LIST- und GET-Ope­ra­­tio­­nen durch: Kata­­log-Abfra­­gen, Inte­gri­täts­prü­fun­gen, Dedu­­pli­­­zie­rungs-Checks. Die­se API-Calls kos­ten, und zwar pro Aufruf.

Typi­sche API-Prei­­se (AWS S3):

  • PUT, COPY, POST: 0,005 USD pro 1.000 Requests
  • GET, SEL­ECT: 0,0004 USD pro 1.000 Requests
  • LIST: 0,005 USD pro 1.000 Requests

Bei täg­li­chen Back­up-Jobs mit vie­len API-Calls sum­miert sich das je nach Back­up-Sof­t­­wa­re, Objektan­zahl und Dedu­pli­zie­rungs­grad auf einen rele­van­ten Jah­res­be­trag, der in den wenigs­ten Ange­bo­ten aus­ge­wie­sen ist. Die meis­ten IT-Lei­­ter rech­nen damit nicht.


Fal­le 5: Sup­­port-Tiers und ihre Lücken #

Der Basis-Sup­­port der gro­ßen Cloud-Anbie­­ter ist für pro­duk­ti­ve Back­up-Umge­­bun­­gen in der Regel nicht aus­rei­chend. AWS Busi­­ness-Sup­­port wird gestaf­felt berech­net: 10 % der monat­li­chen Nut­zungs­ge­büh­ren bis 10.000 USD, dann 7 % bis 80.000 USD, 5 % bis 250.000 USD, min­des­tens jedoch 100 USD/​Monat. Enter­pri­­se-Sup­­port liegt noch­mals deut­lich darüber.

Was das bedeu­tet: Bei einer monat­li­chen Cloud-Rech­­nung von 5.000 EUR zah­len Sie für Busi­­ness-Sup­­port rund 10 % der Nut­zungs­ge­büh­ren extra pro Monat. Das sind meh­re­re tau­send Euro pro Jahr, die im ursprüng­li­chen Ange­bot nicht auftauchen.


Fal­le 6: Reten­­ti­on-Poli­ci­es und Com­­pli­­an­ce-Archi­­vie­rung #

Wer Daten aus regu­la­to­ri­schen Grün­den auf­be­wah­ren muss (, HGB, Bran­chen­vor­schrif­ten), zahlt für jede Reten­­ti­on-Klas­­se sepa­rat. Cloud-Anbie­­ter berech­nen Ver­sio­nie­rung, s und Life­­cy­cle-Poli­ci­es als zusätz­lich beleg­ten Speicher.

Ein Unter­neh­men, das 7 Jah­re Reten­ti­on vor­schreibt und gleich­zei­tig täg­li­che Snapshots hält, hat am Ende des Auf­be­wah­rungs­zeit­raums ein Viel­fa­ches des akti­ven Daten­vo­lu­mens im Spei­cher. Jedes GB zählt, jedes Jahr.


Fal­le 7: Wie­der­her­stel­lungs­zei­ten bei Tier-basier­­ten Spei­cher­klas­sen #

Güns­ti­ge Cloud-Spei­­cher­klas­­sen wie AWS S3 Gla­cier Deep Archi­ve oder Azu­re Archi­ve Sto­rage haben Abruf­zei­ten von bis zu 12 Stun­den (Stan­dard) oder 48 Stun­den (Bulk-Retrie­­val). Im Ernst­fall (Ran­­som­­wa­­re-Angriff, Hard­ware­aus­fall, Was­ser­scha­den) ist das eine kri­ti­sche Verzögerung.

Wer schnel­le­re Wie­der­her­stel­lung will, zahlt deut­lich mehr:

  • AWS Gla­cier Instant Retrie­val: ca. 0,004 USD/​GB/​Monat statt 0,00099 USD für Deep Archi­ve, also rund das Vierfache
  • Azu­re: Prio­­ri­­ty-Rehy­­dra­­ti­on für Archi­ve kos­tet ein Viel­fa­ches der Standard-Rehydration

Die güns­ti­ge Spei­cher­klas­se im Ange­bot ist häu­fig nicht die, aus der Sie im Not­fall wie­der­her­stel­len kön­nen, zumin­dest nicht ohne Wartezeit.


Fall­bei­spiel: Ran­­som­­wa­­re-Angriff mit voll­stän­di­gem Cloud-Res­­to­­re (Modell­rech­nung) #

Sze­na­rio (fik­ti­ves Bei­spiel): Ein mit­tel­stän­di­sches Unter­neh­men mit ca. 500 Mit­ar­bei­tern hat 120 TB pro­duk­ti­ver Daten, davon 80 TB Back­up in AWS S3 Gla­cier Instant Retrie­val. Ein Ran­­som­­wa­­re-Angriff ver­schlüs­selt alle Pri­mär­da­ten und infi­ziert auch die loka­le Back­up-Infra­­struk­­tur. Der voll­stän­di­ge Res­to­re aus der Cloud ist notwendig.

Kos­ten­po­si­tio­nen (Bei­spiel­wer­te):

  • Egress-Kos­­ten (80.000 GB × 0,09 USD): ca. 6.600 EUR
  • Retrie­­val-Kos­­ten (80.000 GB × 0,03 USD): ca. 2.200 EUR
  • IT-Per­­so­nal, Koor­di­na­ti­on und Über­wa­chung (3 Per­so­nen × 40 Stun­den à 80 EUR): 9.600 EUR
  • Sum­me direk­te Reco­­very-Kos­­ten: ca. 18.400 EUR

Hin­zu kom­men Aus­fall­kos­ten durch Pro­duk­ti­vi­täts­ver­lust wäh­rend der Wie­der­her­stel­lung, die je nach Unter­neh­men schnell ein Viel­fa­ches der direk­ten Reco­­very-Kos­­ten erreichen.

Dau­er des Res­to­res: Bei einer Inter­net­an­bin­dung von 1 Gbit/​s dau­ert der Trans­fer von 80 TB theo­re­tisch ca. 18 Stun­den. In der Pra­xis, mit par­al­le­len Trans­fers und Netz­werk­schwan­kun­gen, sind es eher 48 bis 72 Stun­den. Wäh­rend die­ser Zeit ist der Betrieb eingeschränkt.

Ver­gleich On-Pre­­mi­­ses-Res­­to­­re: Beim Silent Brick Sys­tem erfolgt der Res­to­re lokal aus dem Air-Gap-Spei­­cher über das inter­ne Netz­werk (typisch 10 Gbit/​s), ohne Egress-Kos­­ten, ohne exter­ne Abhän­gig­kei­ten und ohne War­te­zei­ten durch Tier-Rehydration.


Der ​„Pay-as-you-grow”-Trugschluss #

Cloud-Anbie­­ter ver­mark­ten Fle­xi­bi­li­tät als Vor­teil: Sie zah­len nur, was Sie nut­zen. Das stimmt für das ers­te Jahr. Ab Jahr drei sieht die Rech­nung anders aus:

  • Das Daten­vo­lu­men ist gewachsen
  • Die Cloud-Rech­­nung ist pro­por­tio­nal gewachsen
  • Die eige­ne Ver­hand­lungs­po­si­ti­on ist gesun­ken (Ven­dor Lock-in durch Daten­men­ge und Migrationsaufwand)
  • Der Wech­sel zu einem ande­ren Anbie­ter kos­tet Zeit, Per­so­nal und Pro­jekt­auf­wand; die rei­nen Wech­sel­ent­gel­te begrenzt der EU Data Act, ab 12. Janu­ar 2027 sind sie verboten

On-Pre­­mi­­ses-Har­d­­wa­re amor­ti­siert sich. Cloud-Kos­­ten amor­ti­sie­ren sich nicht, sie akku­mu­lie­ren sich.


Was kos­tet ein voll­stän­di­ger Res­to­re? Direkt­ver­gleich #

Cloud (AWS S3 Gla­cier Instant):

  • Daten­men­ge: 80 TB
  • Trans­fer­kos­ten: meh­re­re tau­send EUR (Egress + Retrieval)
  • Wie­der­her­stel­lungs­zeit: 48 bis 72 Stunden
  • Inter­net­an­bin­dung erfor­der­lich: ja, sta­bi­le Lei­tung nötig
  • Abhän­gig­keit vom Cloud-Anbie­­ter: ja

On-Pre­­mi­­ses (Silent Brick System):

  • Daten­men­ge: 80 TB
  • Trans­fer­kos­ten: 0 EUR
  • Wie­der­her­stel­lungs­zeit: 18 bis 24 Stunden
  • Inter­net­an­bin­dung erfor­der­lich: nein
  • Abhän­gig­keit von Dritt­an­bie­tern: keine

Check­lis­te: Fra­gen, die IT-Lei­­ter ihrem Cloud-Pro­­vi­­der stel­len soll­ten #

Bevor Sie einen Cloud-Back­up-Ver­­­trag unter­zeich­nen, for­dern Sie schrift­li­che Ant­wor­ten auf die­se Fragen:

Kos­ten:

  • Wie hoch sind die Egress-Kos­­ten pro GB für Daten außer­halb der Region?
  • Gibt es monat­li­che Free-Tier-Gren­­zen für Egress, und was pas­siert dar­über hinaus?
  • Wel­che API-Kos­­ten ent­ste­hen bei täg­li­chen Back­up-Jobs in unse­rer Größenordnung?
  • Was kos­tet Busi­­ness- oder Enter­pri­­se-Sup­­port, pro­zen­tu­al und als Mindestsumme?
  • Wer­den Ver­sio­nie­rung und s als sepa­ra­ter Spei­cher berechnet?

Wie­der­her­stel­lung:

  • Wel­che Spei­cher­klas­se nutzt das Ange­bot, und wie lan­ge dau­ert ein Res­to­re aus die­ser Klasse?
  • Was kos­tet Prio­­ri­­ty-Retrie­­val (schnel­ler Abruf im Notfall)?
  • Wie lan­ge dau­ert ein voll­stän­di­ger Res­to­re unse­res Volu­mens bei einer 1‑Gbit/​s‑Anbindung?
  • Ist die Wie­der­her­stel­lungs­zeit Teil der SLA, und was pas­siert bei Nichteinhaltung?

Wech­sel­kos­ten:

  • Wie setzt der Anbie­ter die Vor­ga­ben des EU Data Act zu Wech­sel­ent­gel­ten und Kün­di­gungs­fris­ten (maxi­mal 2 Mona­te) um?
  • Was kos­tet eine voll­stän­di­ge Migra­ti­on zu einem ande­ren Anbie­ter inklu­si­ve Projektaufwand?
  • Gibt es ver­trag­li­che Min­dest­lauf­zei­ten oder Rabat­te, die an Lauf­zei­ten geknüpft sind?

Com­pli­ance:

  • Wo wer­den unse­re Daten gespei­chert, aus­schließ­lich in EU-Rechenzentren?
  • Wie wird Reten­­ti­on-Lock tech­nisch umge­setzt, und was kos­tet die­ser Speicher?
  • Wer hat Zugriff auf unse­re Daten, auch für War­­tungs- und Diagnosezwecke?

Fazit: Rech­nen Sie, bevor die Rech­nung kommt #

Cloud-Back­up ist kein schlech­tes Pro­dukt. Aber es ist ein Pro­dukt, das von Unter­neh­men oft ohne voll­stän­di­ge Kos­ten­trans­pa­renz ein­ge­führt wird. Die sie­ben Fal­len in die­sem Arti­kel sind kei­ne Aus­nah­men, sie sind die Regel.

Wer mehr als 50 TB Back­up-Volu­­men ver­wal­tet, regel­mä­ßig Res­­to­­re-Tests durch­führt und Com­­pli­­an­ce-Anfor­­de­run­­gen mit mehr­jäh­ri­ger Reten­ti­on erfül­len muss, hat mit On-Pre­­mi­­ses-Lösun­­gen in der Regel die bes­se­re Kos­ten­ba­sis und die voll­stän­di­ge Kon­trol­le über sei­ne Daten.


Wei­ter­füh­ren­de Res­sour­cen #

→ Cloud vs. On-Pre­­mi­­ses Back­up: Kos­ten­ver­gleich über 5 Jah­re (/de/­­b­­lo­g/­­cloud-vs-on-pre­­mi­­ses-kos­­ten­­ver­­­gleich/) → Egress-Kos­­ten Cloud: Was Daten­trans­fer wirk­lich kos­tet (/de/­­b­­lo­g/e­­gress-kos­­ten-clou­­d/) → Inci­dent Respon­se bei Ran­som­wa­re: Was die ers­ten 72 Stun­den ent­schei­den (/de/­­b­­lo­g/in­ci­­dent-respon­­se-ran­­som­­wa­­re/) → Silent Brick Sys­tem (/de/­­pro­­duk­­te/­­si­­lent-brick-sys­­te­m/) → Silent Cubes (/de/­­pro­­duk­­te/­­si­­lent-cube­s/)

Disclaimer

Dieser Beitrag wurde redaktionell erstellt und mit KI-Unterstützung aufbereitet. Er gibt einen allgemeinen Überblick und stellt keine Rechtsberatung dar – für Ihre konkrete Situation empfehlen wir professionellen Rat.