Die klas­si­sche 3 – 21-Regel galt jahr­zehn­te­lang als Gold­stan­dard der Daten­si­che­rung: drei Kopien der Daten, auf zwei ver­schie­de­nen Medi­en­ty­pen, mit einer Kopie außer­halb des Stand­orts. Das Pro­blem im Ran­som­wa­re-Zeit­al­ter: Alle drei Kopien kön­nen netz­wer­ker­reich­bar sein. Ein Angrei­fer mit Domä­nen­ad­mi­nis­tra­tor-Rech­ten ver­nich­tet sie inner­halb von Stunden.

Sicher­heits­ar­chi­tek­ten und das BSI emp­feh­len daher die Erwei­te­rung zur 3 – 21 – 10-Regel:

Das ers­te „+1” for­dert, dass min­des­tens eine Kopie off­line oder air-gap­ped ist — nicht nur logisch iso­liert, nicht nur durch eine Fire­wall geschützt, son­dern phy­sisch nicht adres­sier­bar. Das ist der Air-Gap-Lay­er, der auch dann intakt bleibt, wenn ein Angrei­fer voll­stän­di­ge Domä­nen­ad­mi­nis­tra­tor-Rech­te erlangt hat.

Das „+0” (zero errors after veri­fi­ca­ti­on) for­dert, dass Back­ups regel­mä­ßig auf Wie­der­her­stell­bar­keit geprüft wer­den. Ein Back­up ohne veri­fi­zier­ten Res­to­re ist kein Back­up — es ist eine Hoff­nung. Reco­very-Tests müs­sen zeit­ge­mes­sen und doku­men­tiert sein. Das BSI for­dert in CON.3.A11 regel­mä­ßi­ge Wie­der­her­stel­lungs­tests; NIS2 ver­langt deren Dokumentation.

Die 3 – 21 – 10-Stra­te­gie ist die Mini­mal­an­for­de­rung für Orga­ni­sa­tio­nen, die NIS2- oder KRI­TIS-kon­form sein müs­sen. Die kon­kre­te Archi­tek­tur glie­dert sich typi­scher­wei­se in Tiers: Tier 1 (pri­mä­res Online-Back­up), Tier 2 (Air-Gap-Lay­er), Tier 3 (-Lang­zeit­ar­chiv) und optio­nal Tier 4 (geo­gra­fi­sche Redundanz).

Fragen und Antworten

Für Schutz gegen Ransomware nicht mehr. Alle drei Kopien der 3-2-1-Regel können netzwerkerreichbar sein — ein Angreifer mit Admin-Credentials vernichtet sie im Ernstfall gemeinsam. Die 3-2-1-1-0-Erweiterung fügt den entscheidenden Layer hinzu: eine physisch nicht erreichbare Kopie. Das ist der Unterschied zwischen einem Backup, das nach einem Angriff schützt, und einem, das gemeinsam mit der Produktivumgebung vernichtet wurde.
Die „0" steht für „zero errors after verification" — kein Fehler nach Verifikation. Backups müssen regelmäßig auf tatsächliche Wiederherstellbarkeit geprüft werden. Nicht nur „der Job lief durch und die Logs sind grün", sondern: „Wir haben aus diesem Backup vollständig wiederhergestellt und es hat X Stunden gedauert." Nur dann ist das RTO belegt.