Was ist eigentlich…
Ransomware
Ransomware hat sich seit ihren Anfängen (CryptoLocker 2013, WannaCry 2017) zu einer hochprofessionalisierten Industrie entwickelt. Moderne Angriffe folgen einem methodischen Muster: Zunächst verschaffen sich Angreifer über Phishing-E-Mails, kompromittierte VPN-Zugänge oder ungepatchte Systeme initialen Zugang. Dann verweilen sie oft wochenlang unentdeckt im Netzwerk, eskalieren Berechtigungen und kartieren die gesamte Infrastruktur — einschließlich aller Backup-Systeme.
Erst wenn das vollständige Lagebild erstellt ist, beginnt die eigentliche Zerstörungsphase: Backup-Datenbanken werden gelöscht, Snapshots entfernt, Backup-Agenten deinstalliert, Shadow Copies vernichtet, Cloud-Backup-Credentials verwendet, um Off-Site-Kopien zu löschen. Erst dann folgt die Verschlüsselung der Produktivumgebung — mit dem Ziel, das Opfer vor eine binäre Wahl zu stellen: Zahlung oder Totalausfall.
Die wirtschaftlichen Folgen sind erheblich. Laut Bitkom 2024 verursacht ein erfolgreicher Ransomware-Angriff deutschen Unternehmen durchschnittlich 5,3 Millionen Euro Schaden. Die durchschnittliche Ausfallzeit bis zur vollständigen Wiederherstellung beträgt 23 Tage. 46 % der betroffenen Unternehmen zahlen Lösegeld — doch nur 4 % erhalten alle ihre Daten zurück. Die strategische Konsequenz ist eindeutig: Zahlung ist keine Strategie. Die einzige verlässliche Gegenstrategie ist die Fähigkeit, Systeme eigenständig aus einem Backup wiederherzustellen, das der Angreifer nicht erreichen konnte.
Eine besonders gefährliche Variante ist die sogenannte Double Extortion: Angreifer stehlen Daten vor der Verschlüsselung und drohen zusätzlich zur Zahlungsforderung mit der Veröffentlichung. Gegen den Datendiebstahl-Aspekt schützen Maßnahmen wie Netzwerksegmentierung und Data Loss Prevention — gegen den Verschlüsselungsaspekt ist ein physischer die effektivste Gegenstrategie.
Air Gap
Ein Air Gap ist die physische Unterbrechung jeder Netzwerkverbindung zwischen einem Backup-System und der übrigen IT-Infrastruktur, sodass das System im Offline-Zustand keine adressierbare Netzwerkschnittstelle besitzt und damit für Ransomware und Angreifer unerreichbar ist.