Fachartikel vom 20. Januar 2026
Wenn die digitale Lieferkette zum Risiko wird
Am Wochenende des 20. September 2025 erlebten mehrere große europäische Flughäfen eine akute Krisensituation. Ein gezielter Cyberangriff auf den IT-Dienstleister Collins Aerospace, der zentrale Check-in- und Boarding-Systeme bereitstellt, führte zu massiven Störungen an den Airports Berlin-Brandenburg (BER), Brüssel, Dublin und London Heathrow¹. Passagiere sahen sich mit langen Warteschlangen und verspäteten Flügen konfrontiert, die Abfertigung musste teilweise manuell erfolgen².
Der Vorfall illustriert eine zentrale Schwachstelle moderner IT-Infrastrukturen: Nicht die Flughäfen selbst waren Ziel der Attacke, sondern ihr externer Dienstleister. Die Collins-Technologie wird an Flughäfen eingesetzt, um Passagieren das Einchecken, das Drucken von Bordkarten und Gepäckanhängern sowie das Aufgeben ihrer Koffer zu ermöglichen³.
Wachsende Bedrohung durch Drittanbieter-Angriffe
Der Collins Aerospace-Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Ereignisse ein, die IT-Verantwortliche zunehmend beschäftigen. Cyble-Forscher für das Darknet beobachteten im April 2025 Behauptungen über 31 solcher Angriffe, wobei Cyberangriffe mit Supply-Chain-Auswirkungen seitdem durchschnittlich 26 pro Monat betragen – doppelt so hoch wie von Anfang 2024 bis März 2025⁴.
Der sechste jährliche Sophos--Bericht liefert neue Erkenntnisse über die Faktoren, die dazu führten, dass Unternehmen Opfer von wurden, sowie über die menschlichen und geschäftlichen Auswirkungen eines Angriffs. Basierend auf Erkenntnissen aus einer anbieterneutralen Umfrage unter 3.400 IT- und Cybersicherheitsverantwortlichen in 17 Ländern⁵, zeigen aktuelle Studien einen besorgniserregenden Trend bei Supply-Chain-Angriffen.
Die Risiken erstrecken sich branchenübergreifend von der Energieversorgung über den Transport bis hin zu Gesundheitsdiensten. Besonders häufig betroffen sind Telekommunikation, Finanzdienstleistungen und öffentliche Einrichtungen.
Regulatorischer Druck steigt
Parallel zur wachsenden Bedrohungslage verschärfen Gesetzgeber die Anforderungen an die Cybersicherheit entlang digitaler Wertschöpfungsketten. Die EU-Richtlinie , das deutsche sowie der ab Dezember 2027 geltende Cyber Resilience Act (CRA) etablieren neue Compliance-Anforderungen.
Künftig müssen nicht nur Betreiber kritischer Infrastrukturen, sondern auch deren Zulieferer erhöhte Schutzmaßnahmen implementieren und dokumentieren können. Europäische Cyberverteidiger klassifizierten einen Vorfall, der mehrere große europäische Flughäfen störte, als
Komplexe Herausforderungen für IT-Verantwortliche
Der Collins Aerospace-Vorfall verdeutlicht die Komplexität, mit der IT-Entscheider heute konfrontiert sind. Anders als bei internen Sicherheitsvorfällen haben sie bei Drittanbietern oft nur begrenzten Einfluss auf Schutzmaßnahmen und Incident Response.
Collins teilte mit, dass das Unternehmen mit den betroffenen Flughäfen, einschließlich Brüssel und London Heathrow, Europas verkehrsreichstem Flughafen, zusammenarbeite und sich in den letzten Phasen der Durchführung von Updates befinde, um die volle Funktionalität wiederherzustellen⁷. Diese Abhängigkeit von externen Dienstleistern stellt IT-Verantwortliche vor das Paradox, für Risiken verantwortlich zu sein, die außerhalb ihrer direkten Kontrolle liegen.
Besonders mittelständische Unternehmen geraten unter Druck. Sie fungieren oft als Dienstleister für größere Konzerne, verfügen aber über begrenzte Ressourcen für umfassende Cybersecurity-Maßnahmen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen ihrer Auftraggeber an Sicherheitsstandards kontinuierlich.
Unterschiedliche Lösungsansätze in der Diskussion
In der Cybersecurity-Community werden verschiedene Ansätze zur Bewältigung der Supply-Chain-Problematik diskutiert. Während einige Experten auf technische Lösungen wie Zero-Trust-Architekturen und kontinuierliches Monitoring setzen, betonen andere die Bedeutung vertraglicher Regelungen und regelmäßiger Audits.
Der "Fokus auf Supply-Chain-Sicherheit"⁸ ist eine der zentralen Empfehlungen im aktuellen Sophos-
Kontrovers diskutiert wird auch die Frage nach EU-souveränen Technologielösungen. Während Befürworter auf reduzierte geopolitische Risiken verweisen, argumentieren Kritiker mit höheren Kosten und möglichen Innovationsnachteilen.
Wirtschaftliche Auswirkungen noch schwer quantifizierbar
Die wirtschaftlichen Folgen von Supply-Chain-Angriffen sind nach Einschätzung von Experten schwer zu beziffern. Neben direkten Ausfallschäden entstehen oft Reputationsschäden und langfristige Kundenabwanderungen. Die durchschnittliche Lösegeldforderung an Einzelhandelsunternehmen hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt und erreichte 2025 2 Millionen US-Dollar im Vergleich zu 1 Million US-Dollar im Jahr 2024⁹, wie der Sophos-Report für den Einzelhandel zeigt.
Versicherungsunternehmen reagieren bereits auf die gestiegenen Risiken: Cyber-Policen werden teurer, gleichzeitig verschärfen Versicherer ihre Anforderungen an präventive Maßnahmen ihrer Kunden.
Internationale Unterschiede bei Regulierung und Umsetzung
Während die EU mit
Diese regulatorische Fragmentierung erschwert global agierenden Unternehmen die einheitliche Umsetzung von Supply-Chain-Security-Maßnahmen.
Ausblick: Neue Dynamik erwartet
Experten erwarten in den kommenden Jahren eine weitere Verschärfung der Problematik.
Für IT-Verantwortliche bedeutet dies: Die Zeit des reaktiven Krisenmanagements geht zu Ende. Proaktive Supply-Chain-Security wird zum integralen Bestandteil strategischer IT-Planung – nicht nur aus Compliance-Gründen, sondern als Geschäftsnotwendigkeit in einer vernetzten Wirtschaft.
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Quellen:
¹ Bank Info Security: "
² CNBC: "What we know about the cyberattack that hit major European airports", 21. September 2025. Verfügbar unter: https://www.cnbc.com/2025/09/21/what-we-know-about-the-cyberattack-that-hit-major-european-airports.html
³ SecurityWeek: "European Airport Disruptions Caused by
⁴ Cyble: "Supply Chain Attacks Surge In 2025: Double The Usual Rate", 3. September 2025. Verfügbar unter: https://cyble.com/blog/supply-chain-attacks-double-in-2025/
⁵ Sophos News: "The State of
⁶ Siehe Quelle ¹
⁷ CNN: "Passengers face more disruption after cyberattack hits European airports", 22. September 2025. Verfügbar unter: https://www.cnn.com/2025/09/22/travel/cyberattack-european-airports-hack-disruption-intl
⁸ Minerva UK: "Sophos State of
⁹ Sophos News: "The State of
¹⁰ Sophos News: "It takes two: The 2025 Sophos Active Adversary Report", 2. April 2025. Verfügbar unter: https://news.sophos.com/en-us/2025/04/02/2025-sophos-active-adversary-report/
¹¹ Sophos News: "The Sophos Annual Threat Report: Cybercrime on Main Street 2025", 16. April 2025. Verfügbar unter: https://news.sophos.com/en-us/2025/04/16/the-sophos-annual-threat-report-cybercrime-on-main-street-2025/
Ransomware
Ransomware ist Schadsoftware, die Daten auf infizierten Systemen verschlüsselt und ein Lösegeld für die Entschlüsselung fordert — mit dem Ziel, Unternehmen und Behörden zur Zahlung zu zwingen, indem sie deren Betrieb lahmlegen.
Ransomware
Ransomware ist Schadsoftware, die Daten auf infizierten Systemen verschlüsselt und ein Lösegeld für die Entschlüsselung fordert — mit dem Ziel, Unternehmen und Behörden zur Zahlung zu zwingen, indem sie deren Betrieb lahmlegen.
KRITIS
KRITIS bezeichnet Organisationen und Einrichtungen, deren Ausfall oder Beeinträchtigung zu erheblichen Versorgungsengpässen oder Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit führen würde — KRITIS-Betreiber unterliegen nach §8a BSI-Gesetz verschärften Anforderungen an IT-Sicherheit und müssen diese alle zwei Jahre gegenüber dem BSI nachweisen.
KRITIS
KRITIS bezeichnet Organisationen und Einrichtungen, deren Ausfall oder Beeinträchtigung zu erheblichen Versorgungsengpässen oder Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit führen würde — KRITIS-Betreiber unterliegen nach §8a BSI-Gesetz verschärften Anforderungen an IT-Sicherheit und müssen diese alle zwei Jahre gegenüber dem BSI nachweisen.
NIS2
Die NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555) ist eine EU-Regulierung, die wesentliche und wichtige Einrichtungen zu konkreten Cybersicherheitsmaßnahmen verpflichtet — darunter nachweisbares Backup-Management, Krisenmanagement und Meldepflichten — mit persönlicher Haftung der Geschäftsleitung bei Versäumnissen.
Ransomware
Ransomware ist Schadsoftware, die Daten auf infizierten Systemen verschlüsselt und ein Lösegeld für die Entschlüsselung fordert — mit dem Ziel, Unternehmen und Behörden zur Zahlung zu zwingen, indem sie deren Betrieb lahmlegen.
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NIS2
Die NIS2-Richtlinie (EU 2022/2555) ist eine EU-Regulierung, die wesentliche und wichtige Einrichtungen zu konkreten Cybersicherheitsmaßnahmen verpflichtet — darunter nachweisbares Backup-Management, Krisenmanagement und Meldepflichten — mit persönlicher Haftung der Geschäftsleitung bei Versäumnissen.
Ransomware
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Immutable Storage
Immutable Storage bezeichnet Speichertechnologien, die gespeicherte Daten vor nachträglicher Veränderung oder Löschung schützen — wobei der entscheidende Unterschied darin liegt, ob dieser Schutz auf Hardware-Ebene (nicht umgehbar) oder auf Software-Ebene (durch Administratoren mit ausreichenden Rechten umgehbar) durchgesetzt wird.
Air Gap
Ein Air Gap ist die physische Unterbrechung jeder Netzwerkverbindung zwischen einem Backup-System und der übrigen IT-Infrastruktur, sodass das System im Offline-Zustand keine adressierbare Netzwerkschnittstelle besitzt und damit für Ransomware und Angreifer unerreichbar ist.
Ransomware
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