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So viele Cyberangriffe pro Woche und Unternehmen registrierte Check Point Research im Februar 2026 allein in Deutschland – ein Plus von elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was sich hinter dieser Zahl verbirgt, ist tiefgreifender als ein Statistikrekord: Die Angriffsmethoden haben sich verändert, regulatorische Pflichten werden jetzt aktiv durchgesetzt, und 79 Prozent der Unternehmen weltweit holen KI-Workloads aus der Public Cloud zurück. Drei Entwicklungen, die in KW 21 Kontur gewannen.
Ransomware: Das Backup reicht nicht mehr
Die Zahl der Angriffe ist nicht das eigentliche Problem. Entscheidender ist die veränderte Taktik: Ransomware-Gruppen exfiltrieren Daten heute zuerst – bevor sie Systeme verschlüsseln. Das hat eine direkte operative Konsequenz. Ein funktionierendes Backup ermöglicht zwar die Wiederherstellung der Infrastruktur, schützt aber nicht vor der Erpressung mit zuvor gestohlenen Daten. Diese Drohung bleibt unabhängig davon bestehen, wie schnell man wiederherstellt.
Parallel dazu sind 82,6 Prozent aller Phishing-E-Mails inzwischen KI-generiert – was die Qualität des Social Engineering erheblich erhöht. Besonders betroffen in Deutschland sind Energieversorger, Stadtwerke, Bildungseinrichtungen sowie Bau- und Ingenieurunternehmen. 80 Prozent der Angriffe richten sich gegen KMU.
Die Schlussfolgerung für Backup-Architekturen ist eindeutig: Schutz entsteht nicht durch schnelle Reaktion auf einen Angriff, sondern dadurch, dass kritische Daten strukturell nicht erreichbar sind. Der Unterschied liegt zwischen einer Sicherung, die kompromittiert werden kann, und einer, die es nicht kann – weil kein Netzwerkpfad zu ihr führt.
NIS2: Prüfungen haben begonnen
Das NIS2-Umsetzungsgesetz (NIS2UmsuCG) ist seit Dezember 2025 in Kraft. Die BSI-Registrierungsfrist lief am 6. März 2026 ab. Rund 29.500 Unternehmen in Deutschland sind betroffen – siebenmal mehr als unter der alten NIS-Richtlinie. Laut aktuellen Schätzungen haben etwa 61 Prozent dieser Einrichtungen die Frist verpasst.
Seit Mai 2026 befindet sich das BSI in der operativen Prüfphase. Es gibt keine Übergangsfrist: Die technischen Pflichten gelten sofort. Dazu gehören Backup-Management, physische Isolation von Backup-Targets, Multifaktor-Authentifizierung und eine 24-stündige Frühwarnpflicht bei Sicherheitsvorfällen. Wer nicht registriert ist, riskiert Bußgelder bis zu zehn Millionen Euro oder zwei Prozent des Jahresumsatzes – sowie die persönliche Haftung der Geschäftsführung.
Ergänzend läuft im Finanzsektor DORA: Artikel 30 schreibt vor, dass Backup-Systeme nicht durch denselben Angriff kompromittiert werden dürfen wie die Produktionsumgebung. Die BaFin prüft aktiv, die Übergangsfrist für IKT-Drittanbieterverträge läuft bis Ende 2026.
On-Premises-KI: 79 Prozent vollziehen den Schwenk
Die Cloudian-Studie „Enterprise AI Infrastructure Survey 2026” ist eindeutig: 79 Prozent der befragten Unternehmen haben KI-Workloads aus der Public Cloud bereits zurückgeholt. 93 Prozent repatriieren oder evaluieren den Schritt gerade. Die Haupttreiber sind Datensouveränität, unkalkulierbare Cloud-Kosten und Anforderungen an Echtzeit-Verarbeitung. 86 Prozent der Befragten steigern ihr KI-Budget 2026 – 40 Prozent davon um mindestens 25 Prozent.
Diese Bewegung fügt sich in ein breiteres Bild: Laut einer EuroCloud-Umfrage sehen 45 Prozent der Mitglieder digitale Souveränität als Top-Trend Nummer eins für 2026 – noch vor künstlicher Intelligenz. Eine Lünendonk-Studie zeigt, dass ca. 83 Prozent der DACH-Unternehmen einen einseitigen Zugriffsentzug durch einen US-Cloud-Anbieter für ein realistisches Risikoszenario halten. Der US CLOUD Act und die geopolitische Lage machen das zu einer operativen Einschätzung, nicht zu einer akademischen Risikobetrachtung.
Was diese Woche auf LinkedIn diskutiert wurde
Das Thema digitale Souveränität dominierte in KW 21 die Fachcommunity. Eine zugespitzte These – Europa spreche ständig über Souveränität und baue gleichzeitig die nächste Cloud-Abhängigkeit auf – löste eine lebhafte Debatte aus, in der On-Premises-Infrastruktur aus Deutschland als konkrete Antwort positioniert wurde. Flankiert wurde das durch den Befund, dass 82,6 Prozent aller Phishing-Mails heute KI-generiert sind: ein Argument nicht für bessere Filter, sondern für strukturelle Isolation. Die FAST LTA Unternehmensseite setzte mit einem kreativen Post zum 46. Jubiläum von Pac-Man (22. Mai 1980) einen unerwarteten Akzent – und verknüpfte das Spielprinzip „keine Datenverluste” mit dem WORM- und Compliance-Kontext des Secondary Storage.
Fazit
KW 21 hat drei Entwicklungen sichtbar gemacht, die in dieselbe Richtung weisen: Backup-Architekturen müssen neu bewertet werden, Compliance ist kein Projekt mehr sondern laufende Prüfungsrealität, und die Rückkehr zu On-Premises-Infrastruktur hat beim Thema KI strategische Dynamik gewonnen. Wer IT-Infrastruktur heute plant, arbeitet unter Vorzeichen, die sich in den letzten zwei Jahren grundlegend verändert haben.
Quellen
- Check Point Research, Monthly Cyber Attack Index Februar 2026 – netzpalaver.de / borncity.com / sectank.net
- Cloudian Enterprise AI Infrastructure Survey 2026 – cloudian.com / storagenewsletter.com
- NIS2UmsuCG, BSI Enforcement KW 21 2026 – securitytoday.de / secjur.com / proliance.ai
- DORA, BaFin-Überblick – bafin.de / fast-lta.de/blog
- EuroCloud Umfrage Top-Trends 2026 – eurocloud.de
- Lünendonk Studie US-Cloud-Risiko – digitalbusiness-magazin.de
- Ransomware-Trends 2026 – sectank.net (21.5.2026)